Day XIII

Daily

Habe mich heute mit einer chinesischen Kommilitonin in der Stadt auf einen Kaffee getroffen. Ich kenn sie schon was länger und weiß, dass sie eben sehr, naja, chinesisch ist – von wegen Nationalbewusstsein und gleichzeitig „bei uns ist doch alles toll und viel besser organisiert als bei euch. Politisch? Nee, das betrifft mich ja nicht, darum kümmere ich mich nicht. Aber mein Land ist das beste.“

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Insgesamt ist sie eigentlich ein ganz lieber Mensch – ein bisschen naiv und ein bisschen realitätsfremd eventuell, und halt blind für gewisse Dinge, bei denen sie herumläuft wie mit Scheuklappen; aber auf dem Level, auf dem wir miteinander kommunizieren, kann ich ganz gut mit ihr. Oder nennen wir es so – ich habe eine gewisse Resistenz gegen gewisse Themen entwickelt, die ich eben einfach nicht anschneide, weil ich weiß, dass ihre Meinung und meine nicht zusammen passen. Da wir uns in einer Häufigkeit von etwa ein Mal im Monat sehen, ist das mach- und akzeptierbar für mich.

Nur heute hab ich mich etwas aufgeregt, als wir nämlich durch eine Einkaufspassage schlenderten und sie mir erklärte, sie traue sich seit den Silvesterereignissen eigentlich gar nicht mehr alleine nach Köln. Sie habe einfach Angst. „Wegen den Ausländern“, sagte sie dann mit gesenkter Stimme. Ich habe versucht, ihr zu erklären, dass es völlig bescheuert ist, von einigen darauf zu schließen, dass alle Menschen aus der gleichen Gruppe ebenfalls so drauf sind – eigentlich ist das so logisch, dass man es nicht mal erwähnen brauchen sollte.Es sind ja auch bei Weitem nicht alle Deutschen gleich Nazis. Aber das wiegelte sie dann ab, ich sei wie ihr Freund, der diskutiere auch so gern über sowas, er werfe ihr auch stets vor, sie sei völlig argumentationsresistent und wir könnten ihre Einstellung da einfach nicht verstehen – das sei eine andere Art von Angst, die Chinesen da empfinden würden. Weil man sie automatisch als schwächer ansehen würde als Europäer. Sie schien sich also für die primäre Zielgruppe für Übergriffe zu halten. Von der Aussage schwenkte sie dann auf irgendeine Studie, über die sie mal gelesen habe – irgendetwas von wegen welche Assoziationen von Gefahr ein unbewaffneter dunkelhäutiger Mensch, ein bewaffneter Weißer und einebenfalls bewaffneter Asiate in Menschen hervorrufen würden. Ich konnte ihr nicht ganz folgen, habe mich aber nach wie vor darüber aufgeregt, was sie da von sich gegeben hat. Die Diskussion endete dann womit?

„Guck mal, das ist ein schöner Pulli“, meinte sie schließlich hilflos, als sie nicht mehr wusste, was sie sagen sollte, während wir an einem Schaufenster vorbei liefen.

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